23. August 2019

K+S hautnah

Mein Besuch beim Stadtimker

Blogpost_Bienen.Foto 3Victor Hernández ist gerade dabei, das erste Bienenvolk mit Rauch zu beruhigen, als Lena und ich durch ein kleines Fenster auf das begrünte Dach der Unternehmenszentrale in Kassel klettern. Heute Morgen wird der Kasseler Stadtimker hier den ersten Teil der Honigwaben einsammeln, die unsere vier fleißigen Bienenvölker seit Mai mit kostbarem Honig füllen. Als ich im Juni 2019 meine Position als Werkstudentin bei der K+S KALI GmbH in der Einheit Sustainability & Environmental Management System antrat, hatte ich mich zwar auf interessante und abwechslungsreiche Arbeitstage gefreut, dass ich jedoch auch mal einen Montagmorgen auf dem Dach der Unternehmenszentrale oder in der Stadtimkerei verbringen würde, hatte ich mir nicht vorgestellt. Da ich momentan im Masterstudiengang Nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Kassel studiere, ist dieser Vormittag für mich zum einen eine interessante Ergänzung zu meinem sonst sehr theoretischen Studium und gleichzeitig eine gute Möglichkeit, hautnah bei einem Biodiversitätsprojekt des Unternehmens dabei zu sein. Diese Art der Einbindung im Unternehmen ist für mich eine echte Bereicherung. Die Arbeit mit den Bienen und die interessanten Einblicke, die uns Herr Hernández an diesem Tag gewährt, weiß ich sehr zu schätzen, denn das Unternehmensdach ist ja nicht unbedingt das klassische Arbeitsumfeld einer Werkstudentin.Blogpost_Bienen. Foto 4

Dass Bienen für uns und unsere Umwelt eine wichtige Rolle spielen, ist vielen Menschen bewusst. Auch K+S sieht sich als Unternehmen in der Verantwortung, Initiativen zu unterstützen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, unsere Artenvielfalt zu erhalten und zu schützen. Aus diesem Grund ist die K+S Bienenpartnerschaft dem Unternehmen ein wichtiges Anliegen. Nicht nur die Honigbienen profitieren unter der Pflege des Imkers Victor Hernández von den umliegenden Grünflächen, auch die K+S Mitarbeiter können sich in Zukunft über den leckeren Honig freuen.

An diesem Vormittag kooperieren die Bienenvölker sehr vorbildlich mit unserem Imker. Nachdem Herr Hernández die einzelnen Schichten des Bienenstocks vorsichtig voneinander gelöst hat, beginnt er die Waben mithilfe einer Bürstenmaschine schonend von den restlichenBienen zu befreien, um die Honigwaben anschließend sicher für den Transport zur Imkerei in dafür vorgesehene Holzkisten zu verstauen. Schutzkleidung trägt er dabei nicht. Wenn die Bienen so gut gelaunt sind wie heute, dann sei diese nur hinderlich bei der Arbeit, meint Herr Hernández. Blogpost_Bienen. Foto 2

Die Bienen scheinen eher unbeeindruckt von der ganzen Aktion, die meisten fliegen in großen Schwärmen um die Bienenstöcke herum, lediglich die noch nicht flugfähigen Jungbienen müssen ihren Rückweg in den Bienenstock noch zu Fuß antreten. Nachdem alle Waben sicher in den Holzkisten verstaut sind, müssen wir sie jetzt noch durchs Fenster heben, was sich als nicht so leicht erweist, da die mit Honig befüllten Waben in einer Kiste ungefähr 30 kg wiegen. Ein paar einzelne Bienen haben sich inzwischen durchs Fenster ins Gebäudeinnere verirrt. Der erfahrene Stadtimker zeigt uns bei dieser Gelegenheit, wie man die Bienen ganz einfach an ihren Flügeln fängt, um sie wieder in die Freiheit zu entlassen.

Auf der Autofahrt zur Imkerei in der Holländischen Straße legen wir noch einen kurzen Zwischenstopp ein, um frische Brötchen zu besorgen, damit wir unseren Honig auch direkt nach dem Schleudervorgang testen können. Von meinem Platz auf der Rückbank höre ich ein leises, aber deutliches Summen aus dem Kofferraum. Ein paar vereinzelte Bienen begleiten uns und ihren Honig also doch mit zur Imkerei. Das ist nicht ungewöhnlich, so Hernández, ein paar Bienenpassagiere ließen sich eigentlich immer in seinem Auto finden.

In der Imkerei angekommen, gibt es erstmal einiges zu bestaunen. Der kleine Laden in der Holländischen Straße hat eine breite Auswahl an unterschiedlichen Honigprodukten zu bieten. Neben Honiggläsern bietet Herr Hernández außerdem Kosmetikprodukte, Wachstücher, Kinder- und Sachbücher sowie viele andere Honig- und Wachsprodukte an. Der Stadtimker erklärt uns bei einem Kaffee, was seinen Honig und die fleißigen Bienen so besonders macht, und beantwortet geduldig all unsere Bienenfragen. Im Gegensatz zu anderen Imkern hatte Herr Hernández sein erstes Bienenvolk nicht auf dem Land, sondern mitten in der Stadt, auf dem Dach seines Ladens aufgestellt.

Bienenstöcke mitten in der Innenstadt Kassels aufzustellen, sei zwar zunächst unkonventionell gewesen, jedoch viel praktischer für den Hobbyimker, da er jederzeit nach seinen Bienen sehen konnte und die Bienenvölker zudem von den vielen unterschiedlichen Grünflächen der Stadt profitieren. Von der Topqualität unseres Honigs können wir uns schon bald selbst überzeugen.

Blogpost_Bienen.Foto 6Zunächst muss Herr Hernández jedoch die Waben von ihrer Wachsschicht befreien, damit der Honig in der Zentrifuge geschleudert werden kann.

Im hinteren Bereich des Ladens befindet sich die Honigküche. Hier benutzt Herr Hernández ein Messer, welches mithilfe von Strom leicht erwärmt wird, um die Waben von ihrer Wachsschicht zu befreien.

Dieses hochreine Wachs sammelt der Imker, denn zum einen enthält es immer noch wertvolle Honigreste, zum anderen kann das Wachs vielfältig weiterverwendet werden, zum Beispiel für Kerzen.In einer Zentrifuge werden die Waben jetzt gleichmäßig geschleudert. Blogpost_Bienen.Foto 7Das gleichmäßige Tempo ist entscheidend, damit die Waben nicht brechen, und schon nach wenigen Sekunden können wir den ersten Honig im Eimer sehen.

Nach fünf Minuten ist der erste Eimer gefüllt. Nach und nach werden alle Waben geschleudert und schnell füllt sich auch Eimer Nummer vier. 

Insgesamt haben wir heute von zwei Bienenvölkern circa 70 kg Honig ernten können. Der Honig wird im Laufe des Prozesses drei Mal gesiebt, jedes Mal noch feiner, damit sich Bienenbeine und Wachsreste auch garantiert nicht ins Honigglas verirren. Blogpost_Bienen.Foto 8

Mit einem Messgerät sieht der Imker, wie hoch der Wassergehalt in unserem Honig ist, alles unter 20 % ist gut, unser Honig hat sogar weniger als 17 %. Die leeren Honigwaben verstaut Herr Hernández wieder in den Holzkisten. Die Honigreste, die sich jetzt noch in den Waben befinden, werden den fleißigen Bienen zurückgegeben.

Jetzt ist es auch endlich Zeit, den ersten Honig zu probieren. Herr Hernández füllt dazu ein kleines Glas mit unserem Blogpost_Bienen.Foto 9Honig. Frische Brötchen vom Bäcker und frischer Honig direkt vom Imker – besser kann der Montagmorgen eigentlich nicht werden!

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