19. Oktober 2018

K+S hautnah

Von der Idee bis zur Umsetzung - die Urban Farming App

Alexander, Manager Business Development and InnovationAlexander arbeitet seit Juni 2017 für K+S als Manager Business Development and Innovation. Nach abgeschlossenem BWL-Studium hat er zuvor sieben Jahre in der Marktforschung und Innovationsberatung gearbeitet. Bei K+S ist er maßgeblich in die Entwicklung neuer Geschäftsfelder für die K+S KALI GmbH eingebunden und führt die strategische Entwicklung hauptsächlich des Geschäftsfeldes Agrar weiter. 

 

Dein Arbeitsplatz ist im Innovation Lab. Was ist der Unterschied zu klassischen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen?

Im K+S InnovationLab geht es um die Betrachtung gesellschaftlicher Megatrends und neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, also den Blick ganz weit in die Zukunft gerichtet. Der wichtigste Unterschied zu klassischen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ist, dass es bei uns hauptsächlich um Geschäftsmodellinnovationen geht. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen, Märkten und Kunden. Es kann eben nicht länger nur um "mehr von demselben" gehen, sondern die Menschheit muss zur Sicherung der Welternährung und der Einhaltung der Klimaziele neue Wege beschreiten. 

Wie entstehen Ideen und was passiert dann mit Ihnen?

Die Herkunft von Ideen ist bei K+S sehr vielfältig. Zum einen entstehen Ideen natürlich durch unsere eigenen Scouting-Aktivitäten und Netzwerke. Zum anderen sollen aber stärker die Ideen in der Organisation selbst geboren werden. Spannend wird es, zu sehen, wie eine Idee überhaupt in den Innovationsbereich kommt und wie sie bewertet wird. Grundsätzlich kann jeder K+S Mitarbeiter Ideen über ein Innovationstool einreichen, die anschließend einen klar definierten Bewertungsprozess durchlaufen. Am Ende muss jeder Ideengeber sein Geschäftsmodell ausarbeiten und vor dem Innovationsausschuss präsentieren, dem auch die Geschäftsführung angehört. Diese entscheidet dann, ob das Thema weiter verfolgt werden soll, ob ein konkreter Projektantrag aufgesetzt wird oder ob das Thema für K+S nicht über die nötige Relevanz verfügt und damit verworfen wird.

Eure App zum Thema Urban Farming ist eine solche Idee gewesen, die weiterverfolgt wurde. Kannst du uns etwas mehr über das Thema Urban Farming und eurer Idee erzählen?

UrbanFarmingApp1Vereinfacht gesagt, liegt die K+S Storyline auf der Hand. Es gibt immer weniger Anbauflächen und eine steigende Weltbevölkerung. Hinzu kommt, dass Menschen verstärkt in urbanen Ballungszentren leben. Bis 2050 werden schätzungsweise 68% der Weltbevölkerung Städter sein. Mit Urban Farming versuchen Wissenschaftler und Unternehmen daher, die bisher ungenutzten oder neu entstehenden Räume in Ballungsgebieten für die Lebensmittelproduktion zu nutzen. Für unsere Ideenfindung haben wir uns daher zu Beginn gefragt, wo gibt es technologische Lücken bzw. welche Technologien im Bereich Urban Farming gibt es bereits? Hier setzt zum Beispiel unser Aquaponic Container an und vereint dabei das Vertical Farming und zugleich die Aufzucht von Fischen in einem geschlossenen Kreislauf. Der Aquaponic Container ist natürlich noch kein Geschäftsmodell, sondern stellt eher einen Showcase dar, mit welchen Themen sich die K+S InnovationLabs beschäftigen und soll den Startschuss für die Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Prozesse auf begrenztem Raum geben.

Bei der weiteren Beschäftigung mit dem Thema war sich das gesamte Projektteam einig, dass wir eine digitale Komponente zum Thema Urban Farming haben wollen. Die Idee zu der Urban Farming App ist dann in unserem Team entstanden und ich habe sie stellvertretend als Ideengeber eingereicht. Vom Ideentemplate bis zum Projektauftrag hat es zwei Monate gedauert. Dies ging so schnell, da es sich bei der App im Grunde nur um ein hypothetisches Geschäftsmodell handelt. Die Dauer hängt natürlich immer davon ab, wie komplex eine Idee bzw. ein potenzielles Geschäftsmodell ist und welche zeitlichen Ressourcen unseren Mitarbeitern noch neben ihrem regulären Job zur Verfügung stehen. 

Urban Farming AppWie funktioniert die App? Welche Ziele verfolgt ihr damit und an wen richtet sich die App?

Die Urban Farming App umfasst drei Content-Kategorien. Das sind zum einen die Locations, die als Suchfunktionen direkt in der Map zu sehen sind. Über Filter kann man sich genau die Locations anzeigen lassen, die man selbst haben möchte. Die Filterkategorien sind: Events, Wochenmärkte, Restaurants, Farms, Urban Farms und Stores. Die Locations können natürlich mehrere Filterkriterien erfüllen und dies wird dementsprechend auch angezeigt. Zu den einzelnen Locations sind Informationen hinterlegt, wie eine Beschreibung, den Öffnungszeiten, die Anfahrt und Bilder im Regelfall. Der zweite Content- Kategorie ist das Editorial. Dort gibt es Artikel rund um das Thema Urban Farming. Die dritte Content-Kategorie sind die Events zum Thema Urban Farming und New Food. Dort finde ich als User eine Beschreibung zu dem Event, die Daten und die Preise sowie einen Link bei dem ich zu der jeweiligen Website zum Ticketkauf weitergeleitet werde. Außerdem kann der User ein Benutzerprofil erstellen und dann in der App die Location oder Events kommentieren, bewerten oder neue Locations hinzufügen. 

Die App bezieht sich ausschließlich auf nachhaltige Lebensmittel oder? 

Ja, meiner Meinung nach ist das bei Urban Farming immer gegeben, weil dies meist in Kreislaufsystemen oder in geschlossenen Systemen geschieht. Natürlich gibt es auch offene Varianten wie das "Community Gardening" usw. das hat aber immer den Nachhaltigkeitsgedanken. Schon allein dadurch, dass man die Logistik kappt. Es geht immer darum Lebensmittel oder Dinge in der Stadt zu produzieren, die in der Stadt benötigt werden, damit sie nicht von weit weg importiert und in die Stadt hinein gebracht werden müssen. Daher ist der Gedanke der Nachhaltigkeit bei Urban Farming immer gegeben. Sign up Urban Farming

Ihr habt die App am Dienstag auf dem Future Food Forum in Berlin vorgestellt. Wo kann ich die App bereits nutzen?

Momentan ist die App noch bezogen auf Berlin, da es dort eine große Anzahl an Produzenten direkt in der Stadt gibt, aber die App ist weltweit auslegbar, da die Google Maps Funktion dahinter liegt und überall theoretisch Orte eingetragen werden können, wie zum Beispiel den Aquaponic Container in Kassel.

Wie geht es jetzt weiter? 

Aktuell betrachten wir die Urban Farming App als Marktforschungstool und sind natürlich gespannt, wie viele User wir mit dem Produkt erreichen können. Wenn wir sehen, dass das Thema auf breites Interesse stößt und unsere User mehr Features oder Informationen haben wollen, ist die Erweiterung der App um kommerzielle Komponenten natürlich denkbar. Die App hat noch viel Potenzial wie z.B. die Erstellung und Lieferung eines Warenkorbs mit den in der Stadt hergestellten Produkten und ich bin gespannt wie es in Zukunft weitergeht. Die App ist aber auch nur ein kleiner Schritt in Richtung neue Produktionsformen und Urban Farming. Alles andere wird sich in der Zukunft zeigen. Es gibt auf jeden Fall noch eine Reihe von Ideen und die Zeit wohin sich unsere Gesellschaft bewegt wird sicherlich spannend.

Vielen Dank Alexander für das interessante Interview.

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