Eine faszinierende Reise durch die Untertagewelt im Erlebnis Bergwerk Merkers

Wer sich dem kleinen Thüringer Werrastädtchen Merkers nähert, sieht schon von weitem die beiden markanten Fördergerüste, die an die aktive Zeit des Kalibergbaus erinnern, der 1993 durch die Schließung des Werkes Merkers ein Ende fand. Bereits zwei Jahre zuvor hatte das „Erlebnis Bergwerk Merkers“ (EBW) seine Türen geöffnet. Absicht war, bei den Menschen in der Region um Vertrauen für den Bergbau zu werben, der von der DDR stets als Staatsgeheimnis behandelt worden war. Weit über 1 Million Menschen haben seit der Eröffnung diese einmalige Einrichtung besucht und sind mit dem Förderkorb in nur 90 Sekunden 500 Meter in die Tiefe gebracht worden. Geführt von erfahrenen Bergleuten, bekommen die Besucher in der „Welt des weißen Goldes“ Einblicke in die wechselvolle Geschichte des Kalibergbaus in der Region und in die Arbeitswelt der Bergleute.

Zwei Mal am Tag – von Dienstag bis Sonntag – werden die Besucher mit auf eine spannende, 25 Kilometer lange Reise durch das rund 140 Quadratkilometer große Grubenfeld genommen. Ausgestattet mit Kittel, Helm und einer Grubenlampe, erwartet die Besucher eine angenehm temperierte Umgebung. Denn unter Tage ist die Luft mit 20 bis maximal 28 Grad Celsius angenehm warm und die Luftfeuchtigkeit beträgt nur 30 Prozent.

Mit dem Förderkorb in 500 Meter Tiefe

 

Für die Besucher ist die Fahrt mit dem Förderkorb („Seilfahrt“) ein erstes eindrucksvolles Erlebnis, dass sie auf die folgende Tour durch die Tiefen des Bergwerks bestens einstimmt. 72 Personen finden auf den drei Etagen des Förderkorbes Platz. Mit einer Geschwindigkeit von acht Metern pro Sekunde „fährt“ der Förderkorb in die Tiefe und kommt bereits nach nur 90 Sekunden in 500 Meter Tiefe an.

Anschließend geht es auf offenen Pritschenwagen auf die Reise. Das Faszinierende dabei: Jedem Besucher – ob jung ob alt – kommt es vor, als ob der Wagen mit großer Geschwindigkeit fahren würde, denn die Fahrt durch die dunklen, teilweise engen Strecken zu den einzelnen Besichtigungspunkten erzeugt den berühmten Tunneleffekt. Dabei sind maximal 35 Kilometer erlaubt.

Die Besucher erwartet im untertägigen Bergbaumuseum Technik zum Anfassen. Von den ersten Handbohrmaschinen bis hin zum modernen Ladetransportfahrzeug wird die Entwicklung der im Bergbau eingesetzten Gerätetechnik eindrucksvoll zur Schau gestellt. So erfährt man, dass das Haufwerk, also das heraus gesprengte Kalisalz, in den Anfangsjahren des Kalibergbaus vor rund 100 Jahren mit Muskelkraft in Förderwagen geschaufelt wurde – Prozesse, die heute vollautomatisch von modernen Großgeräten erledigt werden. Für die Kinder bietet dieser Bereich einen besonderen Spaß, nämlich Technik zum Anfassen: So können sie im Fahrerstand einer Großmaschine Platz nehmen und sich wie ein richtiger Bergmann fühlen.

Konzerte und Veranstaltungen unter Tage

Eine weitere Station unter Tage ist der frühere Großbunker, in dem einstmals Rohsalz zwischengelagert wurde. Mit einer Länge von 250 Metern, einer Breite von 22 und einer Höhe von rund 17 Metern besitzt dieser Bunker die Dimensionen eines gotischen Kirchenschiffs. Durch seine hervorragende Akustik eignet er sich auch für Konzerte und ist damit der größte untertägige Konzertsaal der Welt. Gleichzeitig eignet sich der Großbunker mit seinem außergewöhnlichen Ambiente auch für Kunstausstellungen, Tagungen und Kundenveranstaltungen.

 

Geschichte hautnah

 

Im zweiten Weltkrieg mit Einsetzen alliierter Bombenangriffe auf deutsche Städte wurden Salzbergwerke vielfach zur Einlagerung von Kunstschätzen, wertvollem Archivmaterial sowie Geld und Gold genutzt, denn die in großer Tiefe gelegenen Abbaukammern galten damals als absolut bombensicher. Im so genannten Goldraum des Erlebnis Bergwerk Merkers lagerten bis zum Frühjahr 1945 rund 220 Tonnen Gold in Barren, Banknoten sowie Münzen in Millionenwerten – die Gold- und Devisenbestände der Deutschen Reichsbank in Berlin. US-amerikanische Truppen hatten diesen Schatz entdeckt und geborgen. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, Dwight D. Eisenhower, war mit seinen Generälen selbst vor Ort und hatte den einmaligen Fund begutachtet.

Das Geschehen von damals ist im Goldraum – einer weiteren Station der Erlebnistour - nachgestellt, so dass die Besucher die damalige Situation anschaulich nachempfinden können.

Funkelnde Kristalle

Höhepunkt der Grubenfahrt und des Besuches in der Untertagewelt des EBW ist die in 800 Meter Tiefe gelegene Kristallgrotte. Der rund 60 Meter lange Hohlraum mit seinen funkelnden Salzquadern wurde erst 1981 entdeckt. Besondere geologische Bedingungen, gewissermaßen eine „Laune der Natur“, ließen hier die riesigen Steinsalzkristalle mit Kantenlängen bis zu einem Meter entstehen, die Wände und Decke des Hohlraums funkeln und erstrahlen lassen. Dieser Effekt wird durch eine einmalige Licht- und Musik-Installation verstärkt.

 

Informationen über K+S

Mit dem Besuch der Kristallgrotte endet die eindrucksvolle Tour durch die Welt des weißen Goldes; der Förderkorb bringt die Besucher anschließend wieder zur Erdoberfläche zurück. Im 2003 gebauten Informations- und Besucherzentrum können sich die Gäste anschließend noch über die K+S Gruppe informieren, ein Souvenir kaufen und auch noch einen Imbiss im Restaurant „Kristall“ einnehmen.

Das Erlebnis Bergwerk Merkers wurde im Jahr 2006 in das Netzwerk Europäische Industriekultur (ERIH: European Route of Industrial Heritage) aufgenommen. Das Netzwerk umfasst mehr als 70 Standorte, so genannte Ankerpunkte, in vielen europäischen Ländern. Ziel ist, die europäische Industriegeschichte erlebbar zu machen und ausgewählte Einrichtungen mit besonderer industrieller Bedeutung auch im Rahmen touristischer Konzepte zu entwickeln. Merkers befindet sich dabei in prominenter Umgebung: denn zu ERIH gehören unter anderem der Rammelsberg in Goslar, die Zeche Zollverein oder auch die Völklinger Hütte.

Sportliche Herausforderungen unter Tage

 

Das Erlebnis Bergwerk Merkers hat sich seit der Eröffnung vor 19 Jahren zu einer festen touristischen Größe in der Region zwischen Eisenach in Thüringen und Bad Hersfeld in Hessen entwickelt. Im Verlauf der vergangenen Jahre wurde das Veranstaltungsangebot konsequent erweitert. Neben einem abwechslungsreichen Konzertprogramm mit Veranstaltungen für jeden Musikgeschmack erfreuen sich seit einiger Zeit auch sportliche Veranstaltungen wie Mountainbike-Touren großer Beliebtheit. Ob zu Fuß beim Kristall-Marathon oder auf zwei Rädern mit dem Mountainbike – das Erlebnis Bergwerk Merkers bietet Anfängern ebenso wie erfahrenen Sportlern Herausforderungen der besonderen Art.

Wer schwindelfrei ist und sich im Klettersport versuchen will – für denjenigen gibt es seit kurzem eine weitere Attraktion unter Tage. Bei „Down Under“ können sich Wagemutige in luftiger Höhe durch einen anspruchsvollen Kletterparcours im Bereich des untertägigen Großbunkers bewegen.

Ja-Wort in 800 Meter Tiefe

Eine besondere Attraktion für Menschen, die den Bund für’s Leben eingehen wollen, bietet das EBW seit 2009. In der einmaligen Atmosphäre der Kristallgrotte werden zu festen Terminen Trauungen durchgeführt. Dann verwandelt sich die in 800 Meter Tiefe gelegene Besucherattraktion für kurze Zeit in ein Standesamt. Anschließend erwartet die frisch Vermählten und die Hochzeitsgäste ein attraktives Rahmenprogramm in stimmungsvoller Umgebung.

 

Und wer für den eigenen Nachwuchs einen besonderen Kindergeburtstag plant - der kommt im EBW ebenfalls auf seine Kosten. Seit wenigen Jahren können Geburtstagskinder und ihre jungen Gäste einen spannenden Tag erleben, zu dessen Höhepunkten die Sprengsimulation gehört. Dabei können die Kinder - wie ein echter Bergmann – eine simulierte Sprengung mit Licht- und Toneffekten auslösen und werden anschließend zum „Jungsprengmeister“ ernannt.

Das Erlebnis Bergwerk Merkers bietet Spaß und Unterhaltung für jung und alt und ist stets eine Reise wert. Glückauf!

Das Erlebnis Bergwerk Merkers (EBW) bietet von Dienstag bis Sonntag Besucherführungen an – jeweils um 9:30 und um 13:30 Uhr, sonntags um 10:30 Uhr (1. April bis 30. November); zwischen dem 1. Dezember und dem 31. März finden Besucherführungen von Dienstag bis Samstag jeweils um 9:30 und um 13:30 Uhr statt; sonntags ist das Erlebnis Bergwerk geschlossen. Es wird empfohlen, im Voraus einen Termin für eine Grubenfahrt telefonisch zu vereinbaren (+ 49 (0) 3695 61 4101). Weitere Informationen hierzu sowie zu den Eintrittspreisen und Sonderveranstaltungen (Konzerte; Mountainbike-Touren) gibt es im Internet unter www.erlebnisbergwerk.de